Jahresbriefe
Auf Grytubakki, unserem Hof, ist das Jahr über eine ganze Menge los. Die grossen und kleinen Dinge, die das Leben auf unserem Hof spannend machen, fassen wir jedes Jahr vor Weihnachten in einem kleinen Bericht zusammen, den wir unseren Gästen und Freunden zusenden. Hier die Briefe der letzten Jahre!
Der Jahresbrief 2007
Die ersten Tage des neuen Jahres haben Einzug gehalten. Eigentlich sollte es Winter sein, aber die weisse Pracht hat sich bisher nur sehr spärlich gezeigt. Gerade rechtzeitig zu Heilig Abend schneite es und hüllte alles in weihnachtliche Stille.
Doch dann kamen stürmische südliche Winde mit Temperaturen um die 10 Grad plus und es war ein Trauerspiel mit ansehen zu müssen, wie dem Schnee der Garaus gemacht wurde. Gurgelnd verschwanden die spärlichen Überreste in den Gräben.
Während unsere Pferde Winterferien geniessen, leisten unsere Schafsböcke Schwerstarbeit! Vor Weihnachten werden die Schafsdamen nach Alter sortiert und Gruppen von ungefähr 30 aufgeteilt. Jede Gruppe bekommt dann einen Bock zugeteilt. Dieses Jahr sind es Dýri, Dynjandi, Ljúfur, Steinn, Hilmar und Straumur. Ach Halt! Da habe ich doch glatt einen vergessen! Unseren Karl, das Flaschenlamm von Sommer! Viele diesjährige Gäste werden sich sicher an den schwarzen wolligen Gesellen, der zusammen mit seiner Freundin Fíona den Sommer rund um Grýtubakki verbracht hat, erinnern.
Símon und mein Wunsch war es, Nachwuchs mit ihm zu produzieren, da wir mit der Mutter von ihm – Rúsina – in den letzten Jahren sehr viel Pech hatten. Rúsina, mittlerweile die älteste Schafsdame im Stall, hat stolze 10 Jahre an ihren Schlappohren hängen und etwas Mühe mit der Lämmerproduktion. Deshalb sollte Karl ran.
Bock genug war er und wir hofften den Sommer über, dass er doch bitte überlebe.... Wir hatten da schon ein bisschen Bedenken, denn der Nachwuchs von Rúsina war entweder nicht stark genug zum Leben oder brachte sich mit kühnen Sprüngen über Riesengräben gefüllt mir Wasser selber um!
Auch das Leben von Karl hing an einem seidenen Faden, denn der Schreckensnachmittag kam im Juli! Ein junger Isländer, der uns beim Umbau von Góis Zimmer half, fuhr im Rückwärtsgang über Karl. Unseren Gästen stockte der Atem und uns wurden die Knie weich. Ich musste gar nicht erst fragen, welches der Lämmer es denn erwischt hatte... instinktiv wusste ich, dass es Karl war. Pálmi, dem Unglücksfahrerer war das alles sehr peinlich, war ihm doch bewusst, was für eine Rolle die Flaschenlämmer bei uns spielen! Alles rannte nach draussen, um den schwarzen Wuschel zu begucken, dachten wir doch, dass er das Zeitliche gesegnet hätte. Karl lebte aber noch, atmete sehr schwer und zitterte am ganzen Körper. Wir rechneten mit inneren Verletzungen und machten uns trotzdem auf das Schlimmste gefasst. Doch nach einer guten Weile stand er auf und wackelte hinkend hinter Fiona her rauf in den Wald. Unsere Praktikantinnen wechselten sich an dem Abend ab, um nach nach seinem Gesundheitszustand zu schauen. Es war ein stetes Bangen und Hoffen.
Am nächsten Morgen lösten sich unsere Sorgen in Luft aus..diesmal schienen wir Glück zu haben: Karl kam – zwar hinkend – aber frech wie immer seine Milchportion bei uns abholen. Uns fielen gleich mehrere Steine vom Herzen!
Unsere Gäste schreiben nach Abschluss der Reittour immer etwas ins Gästebuch. Manchmal wird gedichtet, einfach erzählt oder gezeichnet. Das oben erzählte Ereignis wurde bildlich festgehalten und wird dem Jahresbericht diese Zeichnung beigelegt.
So ist es also dazu gekommen, dass auch Karl fleissig dabei ist, Nachwuchs zu produzieren. Zwar wurden ihm nur ein Dutzend Schafsdamen zur Verfügung gestellt, aber er ist ja auch noch ein jugendlicher Liebhaber mit Null Erfahrung! Wir freuen uns, im Mai seine Lämmer in Empfang nehmen zu dürfen und Símon überlegt sich schon jetzt, welche Namen Karls Wollknäuel bekommen sollen. Vielleicht wollt Ihr ihn dabei ja unterstützen?
Ein Rekordsommer liegt hinter uns und die Vorbereitungen für die nächste Saison sind in vollem Gange. Leider hat unsere Druckerei in diesem Jahr noch langsamer gearbeitet als sonst und die neuen Prospekte sind gerade erst erschienen. Das Programm ist aber schon einige Monate online und so kommt es, dass die meisten Daten der Faszinierenden Norden Tour bereits so gut wie ausgebucht sind.
Stefán hat sich auch entschlossen ein Datum für ehemalige Gäste speziell zu gestalten. Es ist der 8. August. Die Länge der Reittour ist die gleiche, aber es werden zum Teil neue Landschaften “eritten”. Neugierig geworden? Dann nur los, es hat noch Plätze frei.
Auf diesem Wege möchten wir auch nochmals allen Gästen danken, die Vertrauen in uns hatten, und mit uns geritten sind. Ein ganz spezieller Dank geht auch an unsere Praktikantinnen und helfende Hände.
Die Dunkelheit hat wieder erfolgreich den kurzen Tag verdrängt. Die Kälte lässt alles verstummen. Ein Blick zum Himmel wird mit einem wunderschönen Nordlicht belohnt. Es tanzt in intensivem Gelb und scheint uns zuzuwinken: die Versuchung ist gross, sich in seine Arme zu schwingen und die Nacht dort oben in eisiger Stille zu verbringen.
Wir wünschen allen in dem noch so jungen Jahr Gesundheit, Erfolg und Zufriedenheit und freuen uns, wenn wir viele der ehemaligen Gäste in diesem Jahr wieder auf Grýtubakki begrüssen dürfen.
Stefán, Símon und Juliane
Der Jahresbrief 2006
Bumpa, unsere dreifarbene Katze, raekelt sich auf der Fensterbank im Buero und wartet darauf, dass ihr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sie geniesst die warme Stube, denn draussen ist es nun doch recht ungemuetlich geworden. Der Wind rupft an den Baeumen, laesst die wenigen Blaetter des Herbstes noch einige Reigen tanzen und versteckt sich dann kraechzend im Giebel unseres Hauses.
Die Naechte sind in beide Richtungen spuerbar laenger geworden. Im Wettlauf mit dem Tageslicht versuchen wir draussen die nötigsten Arbeiten zu verrichten. Es gelingt uns nicht immer, denn die Dunkelheit ist schneller da, als man sie erwartet.
Die Schafe sind wieder seit wenigen Wochen beim Stall und geniessen die gruenen Graeser des Sommers in Ballenform. Der Gang zu ihnen morgens und abends erfreut die Gemueter beider, die der Vierbeiner und unsere. Wie jeden Herbst haben es die Wollknaeuel recht schnell raus, dass in meinen Taschen das begehrte Körnerfutter ist, und im Schafsgalopp beginnt der Ansturm. Zum Glueck sind nicht alle der 250 Schafe so zutraulich; unser Vorrat an Körnern waere schnell zu Ende!
Billi der Widder, von dem ich ja schon des öfteren im Jahresbericht geschrieben habe, begnuegt sich meist nicht damit zu warten, bis wir uns zum Schafstall bewegen: Sein Ziel ist die Wohnungstuere von Grytubakki, denn da gibt es noch etwas viel Besseres: Kleinur, das feine islaendische Schmalzgebaeck! Er hat es sogar schon geschafft, die Tuere mit seinen Vorderbeinen aufzudruecken und dann stand er in der Wohnung – kein bisschen verlegen! “Her mit den Leckereien!” scheint sein Blick zu sagen. Nach erfolgreichem “Fang” und einigen kraeftigen Streicheleinheiten zieht er dann wieder zufrieden schmatzend in Richtung Schafstall.
Auf der Tour "Faszinierender Norden" wollte der Zufall, dass wir bei einem der Uebernachtsorte mit einer islaendischen Reitergruppe zusammentrafen. In der Nacht brachen einige Pferde aus und bissen in alle Heuballen eines Farmers Löcher. Am naechsten Morgen waren die Schuldigen schnell gefunden! Unsere Pferde standen brav auf ihrem abgezauenten Gebiet und durften zu Recht unschuldig in den beginnenden Tag blicken. Tja! Auf die Erziehung kommt es an! Unsere Pferde stehen halt schon einige Jahre in “auslaendischen Diensten” und wissen sich zu benehmen!
Und natuerlich gibt es auch wieder etwas von unseren Huehnern zu berichten. Sie haben Zuwachs bekommen! 10 junge, energiegeladene Hennen haben Einzug gehalten in den Huehnerstall. Sie sind auf einer Farm im Osten des Landes aus dem Ei geschluepft und haben gleich das Licht der Mitternachtssonne erblickt. Sie zeichnen sich speziell durch ihre Faerbung aus und ihren speziellen “Kopfschmuck”. Waeren es Menschen, dann wuerde man sie als “Punker” bezeichnen!
Es kommt immer wieder vor, dass unsere Gaeste ohne Gepaeck bei uns eintreffen. Die Fluggesellschaft hat dann entweder vergessen, das spezielle Gepaeckstueck zu befördern, oder es wurde aus Versehen auf ein anderes Förderband gelegt. So sind fuer Island bestimmte Reithosen schon an der tuerkischen Riviera gelandet!
Passiert sowas, sind wir natuerlich bemueht, dem gepaecklosen Gast auszuhelfen. So auch diesen Sommer. Stefan war bereit, seine alten Reithosen abzugeben. Obwohl der Grössen – und Breitenunterschied zur betreffenden Person sichtbar war, passte die Hose wie angegossen. Und, was noch viel interessanter war: Egal welches Pferd die Dame ritt – es tölteten alle von alleine, sobald sie im Sattel sass! Was gut eingerittene Reithosen so alles bewirken!
Der Herbst war bei uns durch aeusserst heftige Stuerme gepraegt. Im ganzen Land hatte es einige Schaeden gegeben. Auch wir blieben nicht verschont. Durch eine heftige Böe wurde der Kaninchenstall hochgehoben und schlug einige Purzelbaueme. Gemuetlich beim Kaffee sitzend, blieb uns vor Schreck fast das Kuchenstueck im Halse stecken. Wir waren ueberzeugt, dass nun unsere Nager das Zeitliche gesegnet haetten.
Dimmalimm und Simone, die beiden Kaninchen, sowie Ljúfa und Frekja, die Meerschweinchen guckten uns nur mit grossen unverstaendlichen Augen an, als wir deren Stall wieder in die richtige Position rueckten. Körner, Heu und Wasserschalen lagen wild durcheinander, Holz war an den Kanten abgesplittert... aber die kleinen Vierbeiner waren, ausser ein bisschen verrupftem, mit Heu versehenem Fell, absolut unversehrt!
Am ersten Advent haben wir die kleine Gruppe von Jungpferden aus dem Fnjóskádalur von der Herbstweide geholt. Es war ein recht kalter, aber wuenderschöner Tag. Einige der Pferde haben nicht schnell genug realisiert, dass auf den Strassen an manchen Stellen eine Eisschicht lag. Sie trabten munter drauflos und bald bot sich uns ein Bild fuer die Götter! Eiertanz ist nichts dagegen! In Stemmbogenhaltung versuchten sie rutschend und taenzelnd einem Sturz zu entgehen. Ein Wallach legte sich doch tatsaechlich flach und kam und kam nicht wieder auf die Beine. Mit der passenden Musik dazu waere es die perfekte Zirkusvorstellung gewesen, so im Stil eines Strausswalzers: Dadada dum da da, da daaaaah da....! und immer schön im Takt bleiben!
Das neue Programm liegt vor Euch. Grosse Veraenderungen gibt es nicht. Nur bei der Tour "Faszinierenden Norden" haben wir einen Tag so abgeaendert, dass wir unseren Gaesten noch mehr von der wunderschönen und einmaligen Landschaft Nordislands zeigen können. Alle anderen Touren bleiben gleich.
Wie immer braucht der Weihnachtsbrief einige Tage, ja Wochen, bis er versandtbereit ist. In dieser Zeit hat es wieder maechtig Schnee gegeben. Die Schneeflocken schweben um die Wette, druecken sich an den Scheiben die Nase platt, als wuerden sie gerne wissen wollen, was dort drinnen in der Waerme so vor sich geht.
Auch unsere Waescheklammern haben ein kleines weisses Hauebchen bekommen und auf Simons Schaukel sitzen nun statt lachende Kinder aufgetuermte dicke Schneeflocken.
Fuer uns war das Jahr 2006 ein Jahr der Abschiede. Liebe Menschen sind von uns gegangen. Das Leben ohne sie ist leerer geworden, doch die Erinnerungen bleiben und das Gute, das sie uns mitgegeben haben, ist fest in uns verankert. Die Adventskerzen werden dieses Jahr zum Gedaechtnis der Verstorbenen leuchten und uns Zurueckgebliebenen in unserer Trauer etwas Licht schenken.
Der Tag neigt sich dem Ende zu. Die Dunkelheit hat sich schuetzend ueber das Land gelegt. Durch die tiefen Temperaturen treten die Sterne ganz klar hervor. Sie blinken, als wollten sie uns zuwinken und erzaehlen, was sie von da oben so alles sehen. Ganz schwach sind Nordlichter zu erkennen. Der Wind hat sich gelegt und laesst alles zur Ruhe kommen.
Wir wuenschen unseren Gaesten und all unseren fleissigen Helfern und Helferinnen eine frohe Weihnacht und ein glueckliches Neues Jahr.
Stebbi, Júlla, Símon und Gói
Der Jahresbrief 2005
Jahresbericht Grytubakki 2005 - Es elft und trollt!
In unserem Jubilaeumsjahr war einiges los, und wenn der Bericht auch spaeter als sonst erscheint, möchten wir es nicht unterlassen, Euch einiges daraus zu erzaehlen.
Mit Geschichten und lustigen Begebenheiten ueber die Schafe könnte man den Jahresrueckblick seitenweise fuellen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir uns nicht an den zufriedenen Wollknaeueln erfreuen könnten.
Die Herde der körnerfressenden Schafe wird immer grösser, die uns morgens und abends entgegenlaueft. Mit von der Partie ist natuerlich auch immer Billi, der je laenger je mehr das Gefuehl hat, doch noch ein echter Bock zu sein. Die Körner interessieren ihn nicht besonders, umso mehr aber die Damen, die sich darum reissen. Mit Luftspruengen zeigt er ihnen, was fuer ein töffer Kerl er ist. Laesst sie das kalt, dann versucht er es mit Annaeherungsversuchen - zuerst ganz manierlich von der Seite - so wie das ja auch die anderen Böcke machen - dann etwas ruepelhafter von hinten. Das passt den Damen nun ueberhaupt nicht und sie geben ihm das deutlich zu verstehen. Mit haengenden Hörnern steht er dann da - herzerweichend und mitleiderregend. Das dauert aber nicht lange, denn ein Billi laesst sich nicht beleidigen! Er verschafft sich Platz, macht ein paar Schritte rueckwaerts, um Anlauf zu nehmen und rennt dann die wogenden Wollknaeuel einfach ueber den Haufen. So, das wars... und wippididippididu faengt er wieder mit den Luftspruengen an...!
Rusina, ein tiefschwarzes Schaf ohne Hörner, hatte in den vergangenen Jahren eher Pech mit dem Nachwuchs. Deshalb hatten wir uns im letzten Dezember vorgenommen, dass sie kein "Date" mit einem unserer Böcke haben wird. Die anderen Damen erhalten ja zwecks Familienplanung nach dem 20. Dezember Besuch von den Böcken, sozusagen als Weihnachtsgeschenk.
Tja, aber da hatten wir die Rechnung ohne Rusina gemacht. Im Juni zog sie frisch und munter in die Berge, und hatte dann wohl unter der Mitternachtssonne ein Rendezvous. Das Ergebnis: Tobbi, ein Ebenbild der Mutter, geboren am 4. Oktober! Da soll noch einer sagen, dass Schafe doof sind! Wer wuerde nicht die Romantik der lichtumfluteten Berge der tristen Umgebung des Schafstalles vorziehen?
Tobbi darf weiterleben und wird sich zu Lenni, dem Elfenschaf, Rinaldo, dessen Halbbruder und Billi, dem Möchtegernbock und kleinurfressenden Widder (fleissige Jahresberichtleser werden sich sicher noch erinnern) gesellen.
Leider mussten wir im Fruehjahr Abschied nehmen von unserem aeltesten Huhn, der Eve. 9 Jahre durfte sie bei uns sein. Wir werden sie in guter Erinnerung behalten.
Die anderen Huehner bekamen diesen Sommer statt Aussengehege ein Freilauffenster. Das war eine recht gute Idee, denn der Sommer war eher nass und kalt, und wir haetten wohl frueher oder spaeter den Huehnern Wollpullöverchen und Flossen anziehen muessen, waeren sie ganz draussen gewesen. Also dieses Jahr war nix mit Eierlegen unter der Mitternachtssonne, dafuer aber hatten wir trockene Huehener!
Wir sind immer froh, wenn die Saison ohne nennenswerten Abgaenge unserer Gaeste zu Ende geht und niemand verletzt wird. Ein spektakulaerer Unfall ereignete sich dann aber beim Goengur. Snæbjörn, Stefans Bruder, ritt wie immer bei diesem Ereignis auf Jarpur, einem starken, zuverlaessigen Braunen. Der Schafabtrieb kam in die Endphase. Die tausenden von Schafen mussten nur noch die Haenge zur Strasse runter rein in die Gatter getrieben werden. Da passierte es bei den sogenannten Elfenfelsen. Snæbjörn hatte Jarpur an der Hand, als dieser mit den Hinterhufen ausrutschte und kopfueber die Felsen runterstuerzte. Er schlug auf einem kleinen Vorsprung auf, kam wieder auf die Beine, um dann aber nochmals ein paar Meter runterzufallen. Einige Leute hatten den Vorfall mitbeobachtet und man hörte entsetzte Rufe. In den Walky Talkies wurde schon rumgefragt, ob jemand eine Pistole dabei haette... Doch Jarpur rappelte sich auf, taumelte, schuettelte sich und beschaute sich, so gut er konnte. Er zitterte am ganzen Körper. Mittlerweile hatte ihn der geschockte Snæbjörn erreicht, um sich zu vergewissern, dass sein treuer Begleiter wirklich nichts gebrochen hatte. Unglaublich aber wahr: Ausser ein paar Schrammen und geprellten Rippen hat Jarpur vom Sturz nichts davongetragen. Ob da wohl die Elfen ihre Haende im Spiel hatten?
Auf der Polar Special dieses Jahr hat es zum Glueck keine nennenswerten Unfaelle gegeben, aber dafuer sind zwei Pferde aus der Herde verschwunden. Ihr Wegsein wurde erst am naechsten Morgen bemerkt. Der Zaun, in dem die ganze Herde die Nacht verbracht hatte, war intakt. Die beiden Tiere mussten also schon am Vortag einen Moment abgewartet haben, bei dem die Schlussreiter nicht genug aufgepasst hatten und Schwupps, weg waren sie. Wo sollte man suchen? Weit und breit war nur Sand, ein paar Lupinen, Straeucher und Wueste. Eventuelle Spuren waren vom leichten Wind der Nacht verweht.
Die Reittour wurde ohne die beiden Ausreisser fortgesetzt, denn man musste ja schliesslich weiter. Polizei, Kleinflugzeuge, die Rundfluege in der Gegend organisierten, und das örtliche Radio wurden benachrichtigt - und die Besitzer der Pferde: Es waren ausgerechnet Kubbur und Þvoka, die wir von unseren Nachbarn entlehnt hatten.Sehr peinlich!
Die Tage vergingen, die Pferde liessen sich nicht blicken. Eines Abends jedoch rief die Polizei an und sagte, sie haetten zwei Pferde gesichtet. Doch oh Schreck! Nachdem sie beschrieben hatten, wie die beiden aussahen, stellte sich heraus, dass es nicht unsere waren! Da hatten noch andere Reitergruppen Pferde unterwegs verloren! Þeistareykjamóri, ein bekannter Geist der Gegend, hat dort wohl im grossen Stil Reiter an der Nase herumgefuehrt!
Zu guter Letzt wurden unsere Ausreisser dann doch noch entdeckt. Ein Jeepfahrer hatte sie gesehen und uns benachrichtigt. Mit Motorraedern wurden die beiden erfolgreich eingekreist und dann in den Pferdeanhaenger verfrachtet. Aus reiner Vorsorge und vielleicht auch etwas Aberglaube haben wir die beiden nicht mehr in diese Gegend mitgenommen.
Im Herbst entlehnen wir oft Farmern in anderen Taelern Pferde, die sie beim Schafabtrieb reiten. Die Farmer erhalten durchtrainierte, zuverlaessige Tiere und als Bezahlung fuettern die Farmer die Pferde dann waerend des Winters, was uns natuerlich einiges an Heu spart.
So gingen vorletzten Herbst Sokka, eine Farbwechslerin mit weissen Socken an den Hinterbeinen und Valda-Frekja, meine graue Walkuere, auf eine Farm ganz in die Naehe des Wasserfalles Godafoss. So weit, so gut. Im Juni erhalten wir aber einen Anruf vom Farmer, der uns schelmisch laechelnd zu Nachwuchs gratuliert. Sokka hatte einem wunderschönen gescheckten, besockten, Farbe wechslenden Fohlen mit Stern, das Leben geschenkt.
Tja, kopfschuettelnd schauten wir uns an. Was war da geschehen? Stumm rechneten wir die Monate zurueck... Socka war bei keinem Hengst gewesen. Jedenfalls nicht, dass wir es wuessten! Doch Halt! Da war doch was im letzten Fruehsommer...Genau! Truður - Simons junges Pferd! Der kleine Schecke, der wie ein Clown aussieht - daher der Name - wurde nach der Kastration auf die Weide gestellt und siehe da.... er musste wohl noch was vorraetig gehabt haben!
Gerade ein knappe Woche ist es her, dass wir unsere ueber 80 Pferde von der Herbstweide geholt haben, um sie nun auf ihr gewohntes Gebiet waehrend der Wintermonate zu stellen. Der Schnee kam sehr frueh. Schon im September hatten wir recht viel von der weissen Pracht, es war nass und kuehl. So blieb es bis Anfang Dezember. Der Weihnachtsmonat war gaenzlich schneefrei und hat uns Temperaturen bis zu 14 Grad plus beschert. Ideal, um die Pferde so lange wie möglich weiden zu lassen, was ja hier im Norden in den meisten Jahren ein Problem ist. Sehr oft verfuettern wir schon von November an die grossen Heuballen, von denen wir dann waehrend des ganzen Winters und bis zum Juni an die 1000 Stueck brauchen - fuer Pferde und Schafe.
Auch im Sommer 2006 werden wir die beliebte Elfen - und Trollentour in gleichen Rahmen weiterfuehren. Aenderungen hat es bei den Touren gen Osten gegeben. Die alte Godafoss-Myvatntour wurde zur Tour Faszinierender Norden umfunktioniert. Der Streckenverlauf zu Anfang ist etwas anders und wir haben die Möglichkeit, unseren Gaesten den wunderschönen Wasserfall Aldeyrarfoss mit seinen Basaltsaeulen zu zeigen.
Die Polar Special haben wir aus dem Programm rausgenommen.
Nun, bei Beendigung des Jahresrueckblickes, tobt ein heftiger Schneesturm. Die Schneeflocken haben an den Fenstern von Grytubakki moderne Kunst hinterlassen, die von Zeit zur Zeit eine Aenderung erfaehrt. Meine Waescheklammern, die ja auch schon des öftern Bestandteil des Jahresberichtes waren, sind die ganze Nacht durchgeschuettelt worden. Viele Schneekörnchen sind von Norden her um sie rum geflogen. Die Klammern sitzen in kleinen Grueppchen oder auch vereinzelt an der Leine. Kommt ein Windstoss, beginnt das Tauziehen: die einen wollen vorwaerts, die andern bremsen. Nur dort, wo alle Klammern eintraechtig beisammen sitzen, schwingen sie im Takt mit dem Brausen des Sturmes. Fast könnte man im Hintergrund die Musik erahnen: Ein nordischer Schneewalzer.
Wir wuenschen allen unseren Gaesten und Bekannten aus Nah und Fern viel Schönes in diesem noch relativ jungen Neuen Jahr.
Stefán, Símon Birgir, Gói und Juliane
Der Jahresbrief 2004
Jahresrückblick 2004 - Geschichten aus Grýtubakki
Es ist noch dunkel, nur der Sternenhimmel über Grýtubakki leuchtet intensiv. Die tanzenden und Fahnen schwingenden Nordlichter der Nacht haben sich verabschiedet.
Unsere Gedanken hängen noch beim Sommer, doch der Schnee und die Temperaturen erinnern uns dran, dass jetzt doch die dunkle Jahreszeit begonnen hat und somit Hof und Haus Vorrang haben. Die Schafe sind alle zurück aus den Bergen und geniessen den täglichen Heuservice. Einige davon haben spitz bekommen, dass wir immer feines körniges Hühnerfutter in unseren Taschen haben. Kaum nähert man sich dem Stall, kommt Bewegung in die liegenden Wollknäuel und eine kleine Gruppe uns mit wogenden Hinterteilen im Schafsgalopp entgegen. Vorneweg die zweijährigen Zwillinge Junior und Frekja, dann Krülla, eine weisse Dame im besten Alter, dicht gefolgt von Goldie und Grima. 825 (Ausgesprochen: auchtatüttügüfimm) die zutraulichste unter der älteren Schafsgeneration nimmt es etwas gemütlicher. Sie hat es nicht auf die schmackhaften Körner abgesehen, sondern auf Streicheleinheiten! Aus lauter Vorfreude fängt ihr kleines wolliges Schwänzchen schon freudig an zu wedeln, wenn sie nur ihren Namen hört oder wenn man sie anschaut! Sie gibt sich dann auch schnell mit ein paar Krauleinheiten zufrieden, aber wehe, man lässt sie links liegen! Dann wird sie etwas ungemütlich, senkt ihren Kopf und rammt ihn in unsere Beine oder in den Allerwertesten. Aber wir haben schon lange aus blauen Flecken gelernt und wählen den "sanften" Weg!
Im Sommer haben ja bereits einige Gäste mit Billi - eigentlich Depill genannt, aber das ist ja für Nichtisländer ein Zungenbrecher, da zwei "ll" wie "tl" ausgesprochen werden - , unserem Milchflaschenböckchen Bekanntschaft geschlossen.
Das Wetter war meist so wunderschön, dass Kaffee und Kuchen stets draussen serviert werden konnte, und das hat sich Billi gemerkt. Sobald gedeckt war, kam er inspizieren, ob da nicht was Geeignetes für ihn dabei wäre: Kleinur! Und "hopp" rauf auf die Bank und "deeeehn" mit dem Hals und schon waren die Leckereien in Reichweite. Ihn störte es überhaupt nicht, ob Gäste schon am Tisch sassen oder nicht. Das konnten wir nicht täglich mit ansehen. Es musste gehandelt werden. Billi wurde ins Auto verfrachtet und in die Berge befördert, so dass er dort den restlichen Sommer mit für ihn viel gesünderem Futter verbringen konnte. Aber da hatten wir die Rechnung ohne ihn gemacht: Obwohl er die Strecke nicht kannte und Bäche überqueren musste, stand er nach einigen Tagen wieder vor der Tür!
Hier bin ich und ich will meine Portion Kleinur!
Das liessen wir uns aber von so einem kleinen gehörnten Kerl nicht bieten und beförderten ihn nochmals rauf in die Berge, noch weiter als vorher! Gäste, die Ende August bei uns waren, kennen den Ausgang der Geschichte! Seine Schafsliebe zu Grýtubakki war grösser als der Ruf der Berge, und Simon war überglücklich als er uns mitteilen konnte: "Billi ist wieder da!" Ein drittes Mal haben wir ihn nicht in die Berge geschickt!
Die Luft ist klar und kalt und nur langsam werden die Umrisse der Berge konkreter. Majestätisch begrüssen sie den neuen Tag. Einzig das Knacken der bizarr geformten Eiszapfen am Dach unterbricht die fast greifbare Stille.
Island, das Land der Vulkane hat seinem Namen dieses Jahr alle Ehre gemacht. Gegen Anfang November brach wieder der Grimsvötn unter dem Gletscher Vatnajökull aus. Riesige Aschenwolken wurden gen Himmel geschleudert, begleitet von Blitz und Donner. Die Bewohner wurden aufgefordert, den Aschenregen im Land zu verfolgen und einen weissen Teller rauszustellen, denn egal in welchem Landesteil Islands ein Vulkan ausbricht, kann sich die Asche im ganzen Land verbreiten. Vor allem für die Farmer sind das bange Tage, denn sollte sich eine dicke Schicht auf die Wiesen legen, müssen sie die Tiere in die Ställe holen: Vergiftungsgefahr!
Der Schreck war dann auch gross, als sich tatsächlich nach einigen Tagen Aschenspuren auf dem Teller zeigten. Doch zum Glück konnte schon bald darauf Entwarnung gegeben werden. Die Vulkanologen haben aber bereits bekanntgegeben, dass das Gebiet unter dem Gletscher nun wieder in eine vulkanisch sehr aktive Periode eingetaucht ist, die bis ins Jahr 2040 anhalten soll. Hoffen wir das Beste!
Ein leichter Wind kommt auf und tänzelt um die einzelnen Grashalme, die aus der dünnen Schneedecke hervorragen. In der Ferne hört man des geschäftige Zwitschern der Schneeammern, das nur kurz vom klopfenden Ruf eines Rabenpärchens unterbrochen wird. Die Eiszapfen werden glasiger - es ist etwas wärmer geworden.
Wer schon enttäuscht war, dass wir von unseren Hühnern nichts zu berichten haben, der hat sich geirrt! Hier eine weitere Folge der gackernden Geschichten!
Ein junger Hahn mit Namen Sigull hat das Zepter im Hühnerhaus übernommen. Imposant, mit hocherhobenem Kopf und mit seinem wunderschönen Gefieder stolziert er inmitten der Hühnerschar herum, und gentlemanlike überlässt er den Damen die besten Bissen. Da er aber noch recht jung ist und mit viel Schwung und Kraft seinen Dienst bei den Hühnern versieht, sehen die gefiederten Eierleger etwas verrupft aus. Um ihnen einige Tage Verschnaufpause zu geben, wurde Sigull kurzerhand aus dem Hühnerhaus verbannt.
Im Stall sollte er seine " Verbannung" absitzen, und dort machte er dann nähere Bekanntschaft mit unseren Katzen. Eigentlich lassen Katzen ja Hühner in Ruhe und an Hähne trauen sie sich schon gar nicht ran. Nicht so aber unsere jüngste Katze - Gáma. Gerade erst ein paar Monate alt, sehr neugierig und unerschrocken, wollte sie den neuen Bewohner des Stalles inspizieren. Wir dachten, dass Sigull nun auf sie einhacken und die Sporen zeigen würde - aber nein! Mit einem kläglichen: ooooooooogagag! zog er die Schwanzfedern ein, nahm Reissaus, und wie Vogel Strauss steckte er seinen Kopf in die erste geeignete Spalte nach dem Motto: Ich seh Euch nicht, so seht ihr mich auch nicht! Da muss der junge Mann aber noch einiges lernen, wenn er seinem Harem ein guter Beschützer sein will!
Fortsetzung folgt!
Mit grosser Eile schiebt der nun heftiger gewordene Wind dunkle Wolken vom Norden her in den Eyjafjörður. Sie umschmeicheln die Berghänge, ballen sich gefürchtig zusammen, um kurz darauf zerrupft in höhere Lagen zu entschwinden.
An den Eiszapfen haben sich nun Wassertropfen gebildet, die langsam aber zielstrebig zur Spitze zustreben. Die Erde ist in Erwartung: Wird es Schnee oder Regen geben?
In Island ist er sehr üblich, Personen einen Übernamen zu geben. Das ist nicht böse gemeint, aber bezeichnet doch oft sehr gezielt gewisse Eigenschaften oder Aussehen des genannten. Unser Nachbar heisst eigentlich "Jonas", aber er wird "Snati" genannt, was ein Hundename ist, speziell ein Hund, der viel kläfft..., dann gibt es einen "Arni veila", ein Arni der sich immer beschwert und einen "Gormur", der eigentlich Hreinn Böðvar heisst, aber den Übernamen bekommen hat, weil er so Löckchenhaare hat. Gormur heisst so viel wie Sprungfeder.
Diese "Sitte" hat sich auch bei uns auf Grytubakki eingebürgert und so hatten wir dieses Jahr als Praktikantinnen eine Pila, eine Kolla (ausgesprochen Kotla) und eine Bjóra. Viele temperamentvolle Hündinnen tragen den Namen Pila, Kolla ist eine Schafsdame ohne Hörner und Bjóra, tja, das ist etwas komplizierter zu erklären: Bjór steht für Bier und die junge Dame mit diesem Übernamen hat sehr gerne Bierdosen verschenkt, die sie im Kühlschrank fand.
Keiner dieser Namensträger hat uns die freizügige Namensgebung übel genommen, im Gegenteil, wir freuen uns, dass wir uns im nächsten Jahr wieder auf die tatkräftige Hilfe von Pila und Bjóra verlassen können.
Zaghaft versucht die Sonne nun, sich einen Weg durch die Wolkendecke zu bahnen. Auf ihrem kurzen Weg zum Zenit hat sie es nicht einfach: Nur ab und zu schafft sie es, die Natur in sanftes helles Licht zu tauchen. Stelzenartig berühren ihre Strahlen die vom nun starken Nordwind aufgewühlten Wellen des Nordmeeres. An den Eiszapfen laufen kleine Bächlein tropfend der Erde zu.
Bald ist es an der Zeit, unsere Pferde wieder nach Grytubakki zu holen. Nach dem Sommer haben wir sie auf verschiedene Herbstweiden verteilt, damit sie so lang wie möglich den Weidegang geniessen und sich die Bäuche mit den schmackhaften Gräsern des Sommers vollschlagen können. Nun sehen sie eher aus wie übergewichtige Teddybären auf dem Weg in den Winterschlaf! Aber wie ihre Urahnen, die von den Wikingern hier auf die Insel gebracht wurden, verbringen auch sie die kalten Monate draussen und trotzen vielen Schneestürmen, wenn König Winter grimm sein Zepter schwingt. Ihr dickes Fell und die angefütterten "Kilos mehr" sind dann sehr praktisch!
Urplötzlich herrscht Ruhe. Wie von Zauberhand abgestellt, hat sich der Wind beruhigt. Die bereits wieder untergehende Sonne verwandelt die Bergkuppen in ein überirdisches Rosa. Die Natur scheint den Atem anzuhalten.
Wieder haben Praktikantinnen aller Altersstufen bei uns das Abenteuer Island und Polar Hestar gewagt: Pil, Chantal, Nadine, Kathrin Doris, Stephanie, Susanne, Eve und Anina. Sie haben hier viel erlebt und gelernt. Die Erinnerung an ihren Aufenthalt auf der Insel im Nordmeer wird sie sicher in ihrem Alltagsleben begleiten.
Wir durften uns auch glücklich schätzen, Andrea wieder während 2 Monaten bei uns zu haben und möchten all den helfenden Händen herzlichst danken.
Das Jahr 2005 wird ein ganz besonderers für uns sein, denn wir können auf 20 Jahre Pólar Hestar zurückblicken. An die 2000 Gäste sind auf Grýtubakki ein- und ausgegangen, haben die Ritte in der einmaligen Umgebung Nordislands geniessen können und haben teilgenommen an unserem Leben inmitten einer bezaubernden Natur.
Wir möchten all den Reiterinnen und Reitern danken, die es uns in den 20 vergangenen Jahren ermöglicht haben, so hoch im Norden diesen Betrieb am Leben zu erhalten.
Der Mantel der Dunkelheit legt sich über den Fjord. Die dunklen Wolken haben sich entschieden: Sanft segeln die ersten dicken Schneeflocken zur Erde. Im Minutentakt lösen sich nun Tropfen von den Eiszapfen und stanzen kleine schwarze Löcher in den flauschigen weissen vom Schnee gebildeten Teppich. Doch die weisse Pracht hat die Überhand. Die kälter werdende Luft lässt die tropfenden Eiszapfen wieder erstarren.
Die Nacht beginnt.
Wir wünschen Euch allen Frohe Weihnachten und ein zufriedenes Neues Jahr!
Stebbi, Gói, Simon und Juliane
Der Jahresbrief 2003
November 2003 - Geschichten aus Grýtubakki
Es ist November, und langsam kommt Grýtubakki zur Ruhe. Noch scheint es aber, als ob die Wände des Wohnzimmers vom regen Betrieb des Sommers widerhallen. Man hat das Gefühl, Stimmen zu hören, klapperndes Geschirr, Gelächter und Gesang. Doch all unsere Gäste und die vielen helfenden Hände des Sommers sind nach Hause zurückgekehrt - in ihre eigene Welt. Erinnerungen an Island, die einzigartige Natur und das Zusammensein mit den Pferden werden sie hoffentlich im Alltag begleiten und Anlass zum Verweilen geben.
Auch Andrea, unsere Führerin der Elfen- und Trollentour, ist nun wieder nach Akureyri ins "normale" Arbeitsleben eingetaucht. Mit ihr - Saga - die Hündin, auf die Óskar, unser Rüde, im Frühjahr so sehnsüchtig wartet. Seine Kulleraugen sprachen Bände, als Saga auf dem Rücksitz von Andreas Auto in Richtung Stadt verschwand.
Wir Zurückgebliebenen versuchen nun intensiv, das Familienleben zu geniessen - gar nicht so einfach, sind doch meist während neun Monaten des Jahres viele andere Seelen in diesem Haus!
Wie jedes Jahr, ist es nun auch wieder Zeit, ein paar Ereignisse zu Papier zu bringen und …wer hätte das gedacht? Die Hühner stehen an erster Stelle!
Im Juli wurde schwer daran gearbeitet, dass die Eierproduktion der nächsten Jahre auch wirklich gesichert ist. Wir haben fleissig Eier gesammelt und dann ausgebrütet - Öhhhhmmm nicht wir selber, sondern eine Eierausbrütmaschine hat diese Arbeit übernommen. Jeden Tag zwei Mal mussten die über 40 Eier gedreht werden, und es wurde dafür gesorgt, dass genügend Feuchtigkeit im "Brutkasten" vorhanden war. Die Spannung wuchs, als drei Wochen um waren und siehe da! Knacks! Das erste Ei zeigte sein Innenleben: Ein flauschiges piepsendes Küken pellte sich ins Leben!
Viele Augen auf Grytubakki haben dieses kleine Wunder miterlebt. Innerhalb von wenigen Tagen wuselten 40 süsse Minifederviecher im Stall herum. Mit Wärmelampe und viel Futter versorgt, wuchsen sie zu stattlichen Hühnern und Hähnen heran. Die Damen werden bald dafür sorgen, dass auch im nächsten Jahr unsere Gäste regelmässig in den Genuss von frischen Eiern kommen - und das von glücklichen Hühnern, die im Sommer unter der Mitternachtssonne brüten!
Þönglabakki ist vor allem unseren Elfen - und Trollengästen ein Begriff. Die Hütte am Polarmeer, die verträumt im Elfenland steht, hat schon viele Gäste aus aller Welt beherbergt und ihnen einen trockenen Unterschlupf gewährt.
Der Plan, ihr Aussehen etwas aufzufrischen, wurde nun zu Beginn dieses Sommers in die Tat umgesetzt. Ausgerüstet mit vielen Farbtöpfen, Pinseln, Schabern, Hammer und Nägeln ging es zu Pferd und per Auto hinaus in den Fjord. Eine kleine Gruppe tatkräftiger Helfer liess die Hütte innerhalb von zwei Tagen in neuem Glanz erstrahlen. Viele Reiter und andere Gäste hat sie auch diesen Sommer wieder empfangen. Nun ist Stille eingekehrt. Dick in Schnee eingepackt, lauscht Þönglabakki dem steten Wellengang des Nordmeeres und wird vielen Schneestürmen trotzen. Wenn die Sonne kräftiger wird, die ersten Zugvögel die Bucht beleben und die Mutterschafe mit ihren wenigen Wochen alten Lämmern bei der Hütte vor Wind und Wetter Schutz suchen, dann ist es wieder Zeit, Gäste des neuen Jahres in Empfang zu nehmen.
Den Vater von Stefán, Gói genannt, kennen die meisten unserer Gäste. Er kann sich leider nicht mit ihnen unterhalten, da er nur Isländisch spricht. Das hindert ihn aber ganz und gar nicht daran, sich so seine Gedanken über die Gäste und deren Benehmen zu machen! Da kommt so einiges zusammen! So auch in diesem Jahr, als er wie in den vorangegangenen Sommern den Gepäck - und Verpflegungsbus steuernd, viel Zeit hatte, die Reiter zu beobachten. Es war ein heisser Sommer, und einige unserer weiblichen Gäste haben die Abkühlung während einer Pause im Másvatn, einem See ganz in der Nähe des Myvatn gesucht. Und das ohne weitere Hemmungen - im Evakostüm! Der Anblick war für den Vater eine willkommene Abwechslung - hat er das doch in all den Jahren noch nicht erlebt!
Nach der Tour sassen wir im Familienkreise zusammen, und dabei wurde auch der "Schwumm" im See erwähnt. Der Vater schüttelte nur den Kopf, denn er verstand eines nicht: Die Damen wateten hüllenlos ins Wasser an einer der meistbefahrendsten Strassen Nordislands, aber mussten sie mal für "kleine Mädchen" liefen sie meilenweit, um sich hinter einem der ach so weit verbreiteten Bäume - sprich Sträucher - niederzulassen!
Der Mai ist bei uns ein sehr intensiver Monat, denn nach knapp fünf Monaten Tragzeit kommen ab dem 12. Mai die Lämmer zur Welt. Bei über 200 Mutterschafen ist da ganz schön was los.Die meisten der kleinen Wollknäuel werden zum Glück ohne Probleme geboren. Aber oft muss eingegriffen werden, wenn zum Beispiel Mutterschafe zu Klaufritzen werden und einer Gebärenden glattweg das noch nasse Lamm unterm Hintern wegstehlen oder wenn postnatale Depressionen sich einschleichen und die nach Milch suchenden Lämmer statt einer prall gefüllten Mutterbrust die Hörner zu spüren bekommen und gnadenlos weggestossen werden.
Dann gibt es aber auch schwere Geburten, bei denen man rechtzeitig richtig eingreifen muss, damit Mutter und Kind wohlauf die Geburt überstehen. Immer schaffen wir es nicht. Auch wenn wir jedes Jahr mit mehr als 400 Lämmern beschenkt werden, trauern wir um jedes, das wir nicht retten können.
Doch Rinaldo, eines unserer Flaschenlämmer, hat es geschafft - und das grenzte wirklich fast an ein Wunder. Seine Mutter, schon etwas älter,war sehr geschwächt und schaffte es nicht alleine, das Lamm in die Welt zu pressen. Sie musste es wohl schon recht lange versucht haben, denn als Stefan gegen Mitternacht Geburtshilfe praktizierte, war kaum noch Leben im Lamm.
Fast eine halbe Stunde lang versuchte er, das schwarze nasse Knäuel zum Leben zu bewegen. Herzmassage und Mund- zu Mundbeatmung zeigten schliesslich Erfolg. Das Böckchen atmete von alleine. Doch - es stand nicht auf. Am nächsten Morgen lag es immer noch flach, und jeder Versuch, es aufzustellen, misslang. Da es nicht an der Mutterbrust saugen konnte, wurde zaghaft versucht, ihm etwas Milch mit der Flasche einzuflössen - milliliterweise. Und das Wunder geschah - Rinaldo stand auf! Den Sommer hat er zusammen mit seiner Mutter im Fjördur verbracht, und die Freude war gross, als er im Herbst, zusammen mit den anderen Schafen, wieder aus den Bergen zurückkam. Nun geniesst er "Hotel Grýtubakki" mit Vollpension und täglichen Streicheleinheiten!
Der Prospekt für den kommenden Sommer liegt vor Euch. Diesmal mit einer neuen Tour. Die Pólar Special. Einige der Gäste werden sie vielleicht noch kennen, denn bis 1999 hatten wir eine Tour mit gleichem Namen im Angebot. Stefán hat diese wunderschöne und anspruchsvolle Tour für 2004 etwas abgeändert: Der erste Ritt beginnt auf Grýtubakki und endet im Osten bei Grimsstaðir á Fjöllum. Der 2. Ritt beginnt im Osten und endet auf Grýtubakki. Die "Perlen des Nordens", wie Dettifoss, Europas mächtigster Wasserfall, Ásbyrgi, der Hufabdruck von Óðins achtbeinigem Pferd Sleipnir und das Paradies Mývatn werden besucht.
Die Sternritte haben wir aus dem Programm gestrichen, doch die anderen Touren sind gleich geblieben.
Seit einigen Wochen schon werden wir mit zauberhaften Nordlichtern beschenkt. Fast jeden Abend tanzen intensiv zuckende Lichtschwaden über den Abend - und Nachthimmel, reihen sich basaltsäulenartig aneinander und verändern in Windeseile Form und Farbe. Oft sieht es aus, als ob bunte Bänder winkend den Himmel abmarschieren - von Norden und Süden schweben sie heran, verweilen engumschlungen in der Mitte, um dann in die Unendlichkeit zu entschwinden. Die Vergangenheit verschmilzt mit der Gegenwart und wartet auf die Zukunft: Was wird sie uns bringen?
Wir wünschen unseren Gästen und all den fleissigen Helfern, die mit Leib und Seele Pólar Hestar unterstützt haben, eine besinnliche Weihnachtszeit und viele glückliche Stunden im Neuen Jahr.
Gói, Stefán, Símon und Juliane
Der Jahresbrief 2002
Grytubakki, im Advent 2002
Wieder ist es soweit. Die letzten Gäste des Sommers haben Grytubakki verlassen, die Pferde sind von den Hufeisen befreit, und unsere Schafe grasen in sicherer Nähe des Stalles. Die Tage sind kürzer geworden, und wunderbare Nordlichter tanzen oft Tango am sternenklaren Nachthimmel.
Zeit, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. All die Ereignisse des Jahres niederzuschreiben würde ein Buch füllen, doch kleine Kostproben sollen sich auch dieses Jahr wieder zum neuen Prospekt gesellen und auf Reisen gehen.
Von Januar bis Juni wurde transportiert, gehämmert, gesägt, angemalt und zusammengesetzt. Unzählige Hände haben mitgeholfen, dass die ersten Gäste dieses Sommers bereits in die beiden neuen Sommerhäuschen einziehen konnten und den wunderschönen Ausblick von den Veranden aus geniessen durften.
Nun thronen drei Gästehäuschen am Hang oberhalb der Farm, und das in der Abendsonne intensiv leuchtende Rot lädt zum Verweilen ein. Hier kann man die Seele getrost baumeln lassen!
Der Winter kam gar früh. Schon Mitte Oktober fielen die ersten Schneeflocken und nach zwei Wochen intensiven Schneefalls schien alles in der weissen Pracht zu erstarren. Das Schicksal schien besiegelt zu sein. Doch siehe da, mit dem Monat November übernahm der Südwind das Zepter und schwang es gewaltig! Warme Winde fegten uns gar heftig um die Ohren, drängten sich in den Schnee, der wie ein Häufchen Elend in wenigen Tagen in sich zusammenfiel und still und leise wegschmolz. Glugg, glugg, weg war er. Auch von unserem Schneemann blieben nur die steinernen Augen und Knöpfe übrig, sowie die blaue Mütze auf seinem kugelrunden weissen Haupt.
Auf Grytubakki nimmt das Leben seinen Lauf, und es gibt auch traurige Momente:
2002 war das Jahr der "tierischen" Abschiede. Schon im Januar mussten wir uns von Spori, dem fast kalbgrossen Rüden trennen. Tollpatschig wie er war, hat er eine Dummheit nach der anderen gemacht. So war ihm nur ein kurzes Leben beschieden.
Einige Wochen später vermissten wir Soffia, das Anführerschaf, von dem wir Euch schon des Öftern im Jahresbericht erzählt hatten. Wir fanden sie unter einer Schicht von Heu, das die anderen Schafe über sie verteilt hatten. Ihr altes Elfenherz hatte aufgehört zu schlagen. So sollte auch unser Wunsch nach einem Elfenschafmädchen nicht in Erfüllung gehen. Soffias Söhne, Salomon und Lenni, haben in diesem Herbst bereits die Führung übernommen und die Schafe sicher aus den Bergen ins Tal gebracht. Die Tradition wird weitergeführt.
Dann hat es das Schicksal wieder einmal schlecht mit unseren Hühnern gemeint. Ein dreister Überfall eines Hundes hat von den 6 Hühnern nur noch 2 übriggelassen. Von denen möchten wir Euch aber in einem späteren Abschnitt mehr erzählen.
Im Juni hatte sich der Winter nochmals mit Heftigkeit zurückgemeldet. Für einige der gerade geborenen Lämmer sowie 4 Mutterschafe war es das Todesurteil. Soviel Verlust auf einmal haben wir selten zu verzeichnen gehabt.
Auch der Juli sollte nicht ohne Abschiednahme vorübergehen. Schnell kam der Tod, ohne Vorwarnung, dafür traf es alle umso heftiger: Unserer alten Hündin Trilla sollte es nicht vergönnt sein, ein ruhiges Rentnerleben zu führen. Nun hat sie ihre letzte Ruhestätte unter den Bäumen vor der Farm gefunden, dort, wo sie doch so gerne sass und dem geschäftigen Treiben auf Grytubakki zusah. Wir werden sie nicht vergessen.
Der tägliche Gang zum Schafstall ist seit einigen Wochen spannender geworden. Wir haben nämlich einen neuen Bewohner: Einen Bock. Was soll daran denn aussergewöhnlich sein, werdet Ihr Euch nun fragen: Tja, es ist kein gewöhnlicher Bock sondern einer mit 4 Hörnern! Ja, Ihr habt richtig gelesen: V i e r Hörner. Ein sehr spezieller Anblick. Man hat schon eher das Gefühl, in einem Harry Potter Film mitzuspielen, wenn man ihm in das feenhafte Antlitz, umrahmt von zwei nach unten geschwungenen und zwei spitz nach oben zeigenden Hörnern schaut. Gewöhnungsbedürftig ist es schon, und man steigt mit gemischten Gefühlen in sein Gehege, um das Trinkwasser zu ersetzen. Denn senkt er den Kopf, dann zeigen die zwei zusätzlichen Hörner direkt in Höhe des Allerwertesten! Keine angenehme Vorstellung!
Nein, Annina, nicht rausgehen, Hey Goi! Da ist Andrea! Eve sitzt da oben links! Das sind nicht etwa Menschen, um die es da geht. Nein, so tönt es, wenn Simon Birgir mit uns die Hühner füttert! Denn aus den zwei übriggebliebenen Hühnern ist nun eine stattliche Zahl von fast 30 Eierlegern geworden. Richtig! Sie legen Eier, unsere Hühner! Das Glücksgefühl, ein frischgelegtes Ei in den Händen halten zu dürfen, gab es ja schon seit langem nicht mehr, und wenn Simon nun sagt: Die Hühner haben Eier gelegt, dann stimmt das auch!
Eve ist die Älteste im gackernden Verein. Sie hat zwei Überfälle von Hunden überlebt und nun stolze 7 Jahre auf dem gefiederten Buckel. Annina müsste ungefähr 5 sein und hat das Gleiche mitgemacht, wie ihre ältere Kollegin. Beide versuchen nun, so gut sie können, den Fängen von Goi, dem Hahn zu entwischen. Mit einem entrüsteten Bagoooooog! signalisieren sie ihm, dass bei ihnen nun wirklich alle Liebesmüh vergeblich ist, denn das Eierlegen überlassen sie der jüngeren Generation!
Missgeschicke können passieren. Auch peinliche. Ein ziemlich peinliches Missgeschick ist uns diesen Frühsommer passiert. Wir hatten schon den ganzen Winter lang zwei Hengstfohlen getrennt von den anderen Pferden gehalten, und nun war es an der Zeit, sie ihrer "Juwelen" zu entledigen. Draussen im Gras unter freiem Himmel war der geeigneteste Platz für ein solches Vorhaben. Die Tierärztin kam, gab dem ersten Tier eine Beruhigungsspritze, so dass es schon nach wenigen Minuten betäubt am Boden lag. Schnipp schnapp, und aus dem Hengst wurde ein Wallach, der nach kurzer Zeit wieder auf schwankenden Beinen stand. Nun war es an dem 2. Fohlen. Die Spritze war gesetzt, und mit vereinten Kräften konnte man das fallende Tier in eine angenehme Seitenlage betten. Ein Hinterbein wurde hochgezogen - doch oh Schreck! Da war nichts zum Schnipp Schnapp machen! Sekundenlang hätte man die Flöhe in Öskars Fell husten hören, dann wurde herzhaft gelacht!
Wen wunderts? Es war eine Stute!
Eve, Lena, Fabienne, Tove, Eva, Aase, Sofie, Julia, Annina, Simone, Conny, Denise und Ella. 13 junge Damen aus 5 verschiedenen Ländern haben uns dieses Jahr wieder tatkräftig unterstützt, sei es beim Ausbilden der Jungpferde, beim Füttern der Schafe, Geburtshilfe der Lämmer, Betreuen der Gäste oder Begleiten der Ausritte. Für diese wertvolle Hilfe sind wir sehr dankbar, und der aufmerksame Leser hat sicher gemerkt, dass ein Teil der Hühner ehrenvoll ihre Namen trägt!
Von Mitte Juni bis Mitte September hat Andrea, eine junge und äusserst fähige Isländerin aus Akureyri, bei uns die Führungen der Elfen- und Trollentouren übernommen. Das Echo bei den Gästen war überwältigend, und wir dürfen uns glücklich schätzen, wenn Andrea auch im nächsten Jahr unseren Gästen wieder sicheren Pferdefusses die Schönheiten der isländischen Natur zeigen wird.
Da ohne Stefans Führungssinn auf den grossen Touren gar nichts läuft, wird er weiterhin die Godafoss-Myvatn Touren leiten, sowie eventuelle Spezialtouren.
Der neue Prospekt liegt vor Euch. Einige kleine Änderungen wird es im neuen Jahr geben: Bei der Godafoss-Myvatn Tour wird die Streckenführung geringfügig geändert, da gewisse Reitstrecken, die wir benutzt haben, nun unter Naturschutz gestellt wurden. Die Sternritte sind kürzer geworden, und im September bieten wir eine neue Tour an: Herbstfarben und Nordlichter. Diese Tour tritt an die Stelle des Göngurs, den wir nach langem Hin und Her nun doch aus unserem Programm gestrichen haben. Von unserem Partner Eldhestar bieten wir wieder die beliebte Klassische Tour an, und die Tour im Osten hat nun Eldhestar in sein Programm übernommen.
Seit Jahren geplant - nun ist es endlich soweit: Wir haben im Internet eine neue Adresse!
Web: www.polarhestar.is
E-Mail: polarhestar@polarhestar.is
Am Himmel hängen ein paar vom Wind zerzauste Wolken. Die Abendsonne verabschiedet sich mit in Rot getauchten Bergspitzen. Bald kommt die Dunkelheit, die sich wie ein friedlicher Schleier über die Natur legen wird. Die "Gryta", das Flüsschen beim Schafstall, die der Farm ihren Namen gegeben hat - "Grytubakki" - am Ufer des steinigen Flusses - gurgelt leise vor sich hin. Hier hat die Zeit weder Ende, noch Beginn. Wusch! Ein kräftiger Windstoss aus dem nördlichen Hochtal lässt das Wasser an den Steinen hochschwappen, und für einen kurzen Augenblick scheint das kühle Nass aus den gewählten Bahnen zu geraten. Doch nach wenigen Sekunden hat sich alles wieder beruhigt. Der Grashalm, der unbeabsichtigerweise im Wasser gelandet ist, lässt sich sanft schaukelnd zum Meer treiben. Wo wird er wohl an Land gespült?
Wir wünschen unseren Gästen eine frohe Weihnachtszeit und ein gutes Neues Jahr.
Stefan, Juliane und Simon Birgir
Der Jahresbrief 2001
Geschichten aus Grytubakki - Herbst 2001
Die Abendsonne lässt den Fjord in Pastellfarben leuchten. Die Tage sind kürzer geworden, König Winter hat schon öfters an unsere Türen geklopft und die ersten Polarlichter sind über den Nachthimmel gehuscht.
Es wurde immer davon berichtet wie stark das isländische Schaf sei und wie gut es der isländischen Natur angepasst ist. Ein dreijähriges Schaf eines Farmers im Fnjoskatal hat das wohl bewiesen. Es wurde 1998 zusammen mit seiner Mutter und einem Geschwisterlamm in die Berge entlassen. Keines von ihnen kam im nächsten Herbst zurück. Die Mutter fand man im darauffolgenden Jahr angespült am Ufer liegend, ihre beiden Lämmer waren unauffindbar - bis diesen Herbst. Das Staunen war gross, als das Schaf - nun dreijährig, nach Hause kam. Urchig sah es aus! Riesig mit dreifacher Lage Wolle um sich herum. Der Besitzer wog es: 90 Kilo! Ein geschichtsträchtiges Schaf - Sinnbild des Freiheitsdranges und der Zähigkeit der isländischen Schafe.
Ein kalter Südwind fegt über die Wiesen und rüttelt an unseren Fenstern. Ab und zu gesellen sich einige Schneeflocken dazu, umkreisen tanzend die blätterlosen Bäume und landen sanft auf dem sich zur Winterruhe beugenden Gras.
Wir haben "Hermann" begraben. Den ganzen Sommer über genoss er es, regelmässig von Susanne, einer unserer Praktikantinnen, gefüttert zu werden. Für sie - als geschulte Krankenschwester, kein Problem! Sich um Hilfsbedürftige zu kümmern, war ihr in Fleisch und Blut übergegangen! Doch Susannes Aufenthalt bei uns war zeitlich begrenzt, und nach ihrer Abreise ging es Hermann immer schlechter. Nur sporadisch wurde sich ihm gewidmet - sein Ende war abzusehen! Hermann, unser Sauerteig, ruht nun in einem Plastiksack im Abfalleimer - unsere Sommergäste werden sich gerne an ihn und seine feinen "Brotableger" zum Frühstück erinnern. Ruhe er in Frieden.
Wer hätte das gedacht: Unsere Hühner - sie leben noch, und auch dieses Jahr wird ihnen ein kleiner Abschnitt im Jahresbericht gewidmet - sozusagen "Das Leben der Hühner auf Grytubakki in Fortsetzungen"! Es sind immer noch 7. Wie bereits bekannt, legen sie ja schon lange keine Eier mehr, aber dafür sind sie zusammen mit den Hunden fleissige Essensresteverwerter. Davon kommt so einiges während der Sommermonate zusammen.
Im Herbst aber, wenn alle Hilfskräfte nach Hause zurückgekehrt sind und keine Gäste mehr regelmässig bei uns Station machen, sieht es damit etwas mickrig aus. Also muss wieder Hühnerfutter gekauft werden. Das sind so kleine zusammengepresste Röllchen aus Korn und etwas Grünzeug. Nun gibt es aber auch sogenanntes "Varpfodur" das heisst, spezielles Futter zum "Eierlegen". Stefan wird jedes Mal beim Kauf gefragt, ob er denn nun Futter zur Unterstützung des Eierlegens möchte oder ganz normales Futter. Seine Antwort ist immer: Das Normale, und die Leute haben ihn schon des öftern gefragt, was für eine Art von Hühnern wir denn eigentlich hätten. Hühner die keine Eier legen, 7 Jahre alt sind und noch nicht im Kochtopf gelandet sind! Tja, Huhn auf Grytubakki sollte man sein! Fortsetzung folgt!
In der Ferne ist der klopfende Ruf eines Rabens zu hören und die Schneeammern huschen in Scharen den Gräben entlang. Der Nordwind hat das Kommando übernommen, noch sehr ruhig. Die Schneeflocken segeln im Zeitlupentempo zur Erde, landen auf den Grashalmen und rutschen an ihnen auf den kalten Erdboden.
Ein grosses Thema dieses Sommers waren unsere Hocker bei den Esstischen. Voller Elan haben wir Anfang Sommer 25 neue runde Holzhocker gekauft. Die Einheit sollte gewahrt werden, und auch die praktische Seite haben wir nicht ausser Acht gelassen - leider haben wir nicht mit den doch ziemlich mitgenommenen - pardon! - Allerwertesten unserer Gäste gerechnet. Beim Ankunftstag war meist immer noch alles in Ordnung. Doch schon nach dem ersten Ritt zum Angewöhnen hörte man hie und da ein "aaach" und "ohhh" beim Hinsetzen. Diese Schmerzenslaute wurden immer intensiver, und variiert mit "aieaie" und "uuuuuhhhh" wurden sie des öftern zu Klageliedern. Wer schnell genug war, ergatterte sich nach dem Essen rasch einen Platz auf dem Sofa: "Mmmmhh" und "soooooooo" klang es nun. Was haben wir daraus gelernt? Wir kaufen nie wieder Holzhocker und versprechen unseren Gästen, dass wir auf alle bis zum nächsten Sommer Polster genäht haben - denn ein Reiter braucht zum Essen einen weichen Sitz!
Im letzten Jahresbericht haben wir Euch von Soffia und Salomon, ihrem Sohn berichtet. Dieses Jahr hat sich ein weiterer Elfenbock dazugesellt, denn Soffia gebar im Frühjahr wieder einen Sohn. Er heisst Lenni. Zu dritt kamen sie aus den Bergen zurück und führen nun gemeinsam die restlichen Schafe an. Soffia, schwarz mit weisser Blesse, Salomon braun mit weisser Blesse und Lenni wieder schwarz mit weisser Blesse. Nun hoffen wir, dass Soffia uns im Mai ein Mädchen schenkt, denn langsam wird sie alt und zahnlos. So wäre dann die Nachfolge der Elfenschafe auf Grytubakki gesichert.
Dunkle Wolken ziehen in den Fjord, kriechen den Berghängen entlang und kommen immer näher. Traurig sehen sie aus - in ihrem Schlepptau ein weisser dichter Vorhang. Es schneit intensiver. Die Schneeammern haben Zuflucht in den Bäumen gesucht.
Verliebt zu sein ist was Schönes. Ein Teil unserer Gaste konnte es miterleben: Jonki, unser isländischer Führer, hat sein 30ig jähriges Junggesellenleben an den Nagel gehängt und sich eine Freundin zugetan. . Nein, keine der vielen ausländischen Schönheiten, die ihn auf den Elfen und Trollentouren begleiteten, wie man hätte annehmen können - sondern ein isländisches Mädchen, das einen Steinwurf weit weg von ihm lebt. Damit hat niemand gerechnet! Tja liebe weibliche Gäste! Ein strammer Wikinger ist vergeben! Doch trauert nicht! Auf den umliegenden Höfen warten noch einige ledige Burschen. Kommt und schaut sie Euch an!
Aus Deutschland haben wir viel Gutes erfahren: Nette Gäste, arbeitsame Praktikantinnen, Gummibärchen von Haribo und Knödelpakete zum Anrühren. Was wir aber dieses Jahr eingeführt haben, übertrifft all das Genannte an Grösse und Gewicht! Seit Juli steht nämlich bei uns ein Bauwagen aus München hinterm Haus! Im Internet gesehen - einige Telephongespräche geführt - Geld überwiesen - Transport zu Land , zu Wasser und wieder zu Land organisiert und voila, da ist er!
Eingerichtet mit Kajütenbetten, Tisch, Schränken sowie Dusche und WC wurde er zum Heim für unsere Praktikantinnen - ein willkommenes Schlupfloch nach getaner Arbeit!
Eine zarte weisse Schicht hat sich auf die Wiesen gelegt. Alles ist ruhig. Es ist als ob die Natur den Atem anhält...
Spori und Oskar, unsere jungen Hunde, toben draussen herum. Jedesmal wenn Spori ums Haus rast, dann ist das wie ein kleines Erdbeben. Er, der fast bernhardinergrosse Rüde und Oskar, die kleine Isländermischung - ein wirklich ungleiches Paar. Was Spori an Schnelligkeit zu bieten hat, füllt Oskar mit Wendigkeit auf. Gerade hat er einen Knochen erhascht und rast damit ums Haus - Spori hinterher. Wums, hat er Oskar überrollt, der Knochen fliegt in die Schneepfütze vor dem Küchenfenster. Spori hinterher und rein in das kühle Nass. Platsch! Die Schneematsche landet auf Oskar, der sich nun schnellstens aufrappelt und sich kräftig schüttelt. Mit dem Knochen in der Schnauze fegt Spori rauf zum Sommerhaus. Oskar hinterher - das lässt er sich nicht bieten! Beide rollen den Abhang herunter, der Knochen rollt mit, unbeachtet von beiden, die mit sich selbst beschäftigt sind. Trilla, unsere alte Hündin, ist nun auf der Bildfläche erschienen. Lautlos, ohne von den beiden Tollpatschen bemerkt zu werden, holt sie sich den Knochen und verschwindet. Wenn zwei sich streiten!
Wieder ist ein Sommer vorbei, Gäste aus aller Welt durften wir beherbergen, und unsere Pferde haben sie zu einigen der schönsten Plätze im Norden Islands getragen. Seit einigen Tagen sind nun alle Pferde ohne Hufeisen und geniessen die freie Zeit auf der Winterweide. Ihr Fell ist schon sehr dick gewordenen - überlebenswichtig - stehen sie doch während des ganzen Winters draussen und trotzen Schneestürmen und Kälte.
Doch siehe da! Der Südwind bringt Leben in die Stille, wirbelt den Schnee hoch und lässt ihn durch seine warmen Temperaturen im Gefolge schmelzen. Die Wolken weichen, und die Nachmittagssonne sagt kurz Hallo. Sollte der Winter doch noch mal eine Pause machen?
Astrid, Lena, Elisabeth, Susanne, Denise, Eva, Kate und Heike. Dieses Oktett hat uns diesen Sommer kräftig unterstützt, um den Aufenthalt für unsere Gäste zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Ihnen, und vielen anderen helfenden Händen sei herzlichst gedankt.
Wir haben unser Programm für das nächste Jahr nicht geändert. Die Touren sind gleich geblieben, und trotz massiver Teuerung haben wir auch die Preise nicht erhöht.
Unseren Gästen wünschen wir Zuversicht in dieser angespannten Weltlage, Vertrauen in sich selbst und Dankbarkeit für die kleinen und grossen schönen Dinge dieser Welt.
Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr!
Stefan, Juliane, Simon Birgir und Goi
Der Jahresbrief 2000
Grytubakki im Oktober 2000
Wenn ich hier im Büro am Computer sitze und mir überlege, wie ich den Jahresbericht anfangen soll, fällt mein Blick auf die Wäscheleine, die ab und zu durch einen Windstoss in Bewegung gebracht wird. Sie hätte soviel zu erzählen! Also warum nicht?! Sie soll auch dieses Jahr mein "Aufhänger" sein!
Lange wurde geplant und gebaut, doch nun ist sie fertig: Die neue Brücke über die Fnjoska wurde mit allem Drumherum wie Schleife zerschneiden und Anwesenheit des Verkehrsministers, am 13. Oktober offiziell eingeweiht. Dieses Wunder der Technik verkürzt für die Bewohner von Grenivik und Umgebung den Weg in die Stadt um gute 5 Minuten. Nun sind unsere Gäste noch schneller bei uns und können die gewonnene Zeit dazu benutzen, das moderne Bauwerk von uns aus zu bewundern!
Soffia ist Euch sicher noch ein Begriff: Es ist unser Leitschaf, das nun schon 8 Jahre auf seinem wollenen Buckel hat. Zu ihr hat sich diesen Winter wieder ein echter Elfenbock gesellt - ein Prachtskerl mit schöner Zeichnung und geschwungenen Hörnern. Die ersten Tage ihres Zusammenseins hat sich Soffia ziemlich schafig angestellt und ihm immer wieder eine Abfuhr erteilt. Der arme Kerl wusste schon gar nicht mehr, in welche Ecke des Schafstalles er sich verziehen sollte. Doch siehe da! Die Liebe siegte doch noch und das Ergebnis ist Salomon, mit S wie Soffia - ein braunes Ebenbild seiner Mutter. Im Herbst kam er gemeinsam mit seiner Mutter aus den Bergen zurück und wird weiterleben dürfen.
Gerade noch war es windstill, und die Wäschklammern machten keinen Mucks. Doch nun kommt Leben in sie und der sanfte Wind ruckelt sie mal hoch mal runter mal nach rechts und mal nach links. Es sieht nach Regen aus.
Tja, eigentlich müssten wir Euch auch wieder von unseren Hühner erzählen. Sie haben ja einen Stammplatz im Jahresbericht und so möchten wir auch dieses Jahr von ihnen berichten. Albert, der Hahn, hat sich von uns verabschiedet und kräht nun in himmlischen Gefilden herum, zusammen mit den Damen seines Harems, die ihm dorthin vorausgegangen sind. Nun sind die sieben Hühner alleine. Sie werden liebevoll verpflegt von unseren Praktikantinnen - immer in der Hoffnung, doch mal noch ein Ei zu finden. Susanne, unsere erste Praktikantin dieses Jahr, hatte ein paar Wünsche, von denen sie hoffte, sie würden in Erfüllung gehen: Sie wollte mit dem Schneemobil fahren, den Wasserfall Godafoss sehen, in den himmlischen Genuss von Nordlichtern kommen und . Ein Ei von den Hühnern als Dank für ihre Bemutterung bekommen. Die ersten beiden Wünsche konnten bald erfüllt werden. Das Nordlicht liess etwas länger auf sich warten, war dann aber um so schöner, doch die Hühner blieben hart: Keine Eier! Susanne war schon am Packen, denn am nächsten Tag ging es wieder in Richtung Heimat. Am Abend ging sie nochmals zu den Hühnern und na, was glaubt Ihr? Ja! Da lag doch tatsächlich ein Ei. Eines der Hühner muss wohl spitzgekriegt haben, dass sie heimfährt und hat ihr den letzten Wunsch auch noch erfüllt - oder waren da wohl die Elfen am Werk?
Nun regnet es leicht, aber es reicht nicht mal aus, den Boden nass zu machen. Die Klammern auf der Wäscheleine haben sich wieder beruhigt, werden nur ab und zu durch einen Tropfen aus dem Gleichgewicht gebracht. Der Himmel ist immer noch grau, es riecht nach Schnee.
Viele neue Pferde durften dieses Jahr ihren Dienst bei uns antreten. Andere haben ihre Dienstposition gewechselt so wie Garmur: Erinnert Ihr Euch an Garmur, den schwarz-weissen Schecken, dem wir letztes Jahr auch einen Absatz im Bericht gewidmet haben? Er hat nun, zusammen mit Blessi, die Position des Packpferdes inne. Er hat zwar tölten gelernt, kommt aber bei dem Tempo, das die meisten der Pferde dabei vorlegen, nicht mit und da kam uns die Idee mit dem Packpferd. Er macht seine Arbeit bestens, ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Ab und zu darf er auch Gästen seine anderen Fähigkeiten zeigen und bis jetzt hat sich noch niemand über ihn beschwert. Also: Was lange währt wird endlich gut!
In unserem Jubiläumsjahr durften wir unseren Gästen auch eine Neuheit vorstellen: Das Sommerhäuschen! Zu Beginn des Sommers wurde es fertig gestellt und thront seitdem oberhalb der Farm. Viele Gäste sind seinem Charme erlegen und haben die wunderbare Aussicht genossen. Nun steht es leer mit verschlossenen Türen und Fenstern und wird seinen ersten Winter als fertiges Häuschen erleben. Wenn der Schnee es dann wieder freigibt, wird es schon bald Zeit für die neue Saison sein.
Jedes Jahr werden Kleider und andere Gegenstände bei uns vergessen oder zurückgelassen. Das sind Stiefel, Taschentücher, Socken, Musikkassetten, Lippenstifte, Bücher, Pullover, Badeanzüge, Brillenetuis und vieles mehr. Meist kennen wir den Besitzer und schicken ihm die Utensilien zu. Doch was kam zum Vorschein, als einer unserer Gäste seine Satteltasche für die bevorstehende Elfen- und Trollentour vorbereiten wollte: Eine Damenunterhose! Hier war nun guter Rat teuer: Zurückschicken oder nicht? Wir haben uns dann entschlossen, die Unterhose nicht auf Reisen zu schicken und hoffen, dass uns die Besitzerin das nicht übel nimmt! Sie wurde auch nicht anderweitig in Gebrauch genommen!
All die Jahre hatten wir morgens und abends, ziemlich zur gleichen Zeit, Besuch von Tiri, dem schwarz-weissen Hund vom Farmer nebenan. Dieser Hund ist etwas ganz besonderes. Normalerweise ist er, ohne uns eines Blickes zu würdigen, seinen Weg gegangen - nur wenn unsere beiden Hündinnen Kata und Trilla läufig waren, dann hätte er am liebsten bei uns im Wohnzimmer gesessen, um sich einzuschmeicheln. Grimmig fauchte er all die anderen Verehrer an und biss auch schon mal kräftig zu, so dass die heulend den Rückweg antraten.
Seit 1. April wohnt nun Tiri's Herrchen in Grenivik, dem benachbarten Fischerdörfchen und ein anderer Farmer hat das Zepter in Hleskogar übernommen. Doch jeden Tag kommt Tiri bei uns vorbei, um seine alte "Heimat" zu besuchen. Als ob er wüsste, dass nun ein anderer Wind weht, begrüsst er uns immer freundlich und sitzt doch tatsächlich bei Stefan im Traktor, um mit ihm die Pferde zu füttern. Auf der einen Seite Kata, auf der anderen Tiri! Welch eine Ehre!
Der Prospekt 2001 liegt vor Euch. Wieder hat es Änderungen gegeben: Wir arbeiten nun mit Eldhestar im Süden zusammen und bieten für sie die Klassische Tour an mit den Sehenswürdigkeiten Gullfoss und Geysir. Dann wollen wir nun auch den Osten Islands abdecken und haben in Ragnar und Stefania auf der Farm Bakkagerdi einen Partner gefunden. Sie führen die Tour "Wunderwelt des Ostens" und zeigen unseren Gästen die Schönheiten dieses Landesteiles.
Unsere Praktikantinnen Anna, Denise, Eva, Heike,Kate, Nicki und Susanne haben dieses Jahr zu einem ganz speziellen gemacht. Es war das Jahr 2000 und zudem unser Jubiläumsjahr - 15 Jahre Polar Hestar. Diese tatkräftigen jungen Damen haben zusammen mit unseren beiden isländischen Führern einmalige Arbeit geleistet, jeder für sich und im Team, ohne sie hätten wir nicht ein so erfolgreiches Jahr mit über 160 Gästen hinter uns!
Im letzten Weihnachtsbrief hatten wir es angekündigt, seit dem 19. Januar ist er nun bei uns - Simon Birgir, unser Sohn. Mit seinen grossen blauen Augen, den Pausbacken und seinem fröhlichen Wesen hat auch er schon einen Teil zur Unterhaltung unserer Gäste beigetragen. Mütter und vielleicht bald werdende Mütter (!) haben sich nur zu gerne mit ihm beschäftigt und er hat schon Photos zugeschickt bekommen mit süssen gleichaltrigen Mädchen zum Kennenlernen.. Tja, früh muss man anfangen! Noch können wir Simon nicht in den Sattel setzen. Er geniesst es noch eine Weile, in seinem Jogger auf drei Rädern herumkutschiert zu werden, den die Pferde immer noch neugierig begutachten: Sowas Fahrbares hatten sie noch nicht gesehen!
Es wird dunkel - im Schein der Aussenbeleuchtung hängt die Wäscheleine schläfrig vor sich hin. Die Klammern, in kleinen Grüppchen, zeigen alle nach unten. Wird der Wind kräftiger und wird zum Sturm, kämpfen die Wäscheklammern darum, hängen zu bleiben. Viele geben den Kampf jedoch auf und landen auf dem bald gefrorenen Boden. Dort bleiben sie, werden vom Schnee bedeckt und so eingemummelt warten sie den Frühling ab. Dann verhelfen sie wieder kiloweise Wäsche zum Trocknen und winken mit Handtüchern und Bettlaken dem Sommerhäuschen zu, das dann auch, aus dem Winterschlaf erwacht, im neuen Glanz die ersten Gäste erwartet. Wer von Euch wird das sein?
Wir wünschen unseren Gästen noch eine schöne Herbst - und Adventszeit, frohe Weihnachten und einen guten Start ins Neue Jahr.
Stefan, Juliane, Simon Birgir und Goi
Der Jahresbrief 1999
Grytubakki im Herbst 1999
Noch ist alles grün um uns herum und die Bäume halten uns stolz ihre bunten Blätter entgegen, mit denen der Wind leise spielt. Der erste Schnee kam und ging, nicht so wie im letzten Jahr, als zu dieser Zeit bereits alles unter einer dicken Schneedecke begraben war. Jeder Tag ohne die weisse Pracht ist ein Segen, denn der Winter ist lang genug, und die Pferde kauen lieber genüsslich die letzten vom Sommer übriggebliebenen Gräser, als schon so früh mit "verpacktem" Heu vorliebnehmen zu müssen.
Der Sommer 99 ist vorüber, es war ein ganz besonderer: Zum ersten Mal durften unsere Gäste Elfen und Trolle erleben. Zwar hat sie niemand gesehen - aber sie waren da! Das ist nicht abzustreiten! Sie versteckten das Zaumzeug von gewissen Gästen, liessen Peitschen verschwinden und - das Ungeheuerlichste - sie vertauschten frech Reitstiefel, ohne sich der Auswirkungen bewusst zu sein! So was ist auf Grytubakki noch nicht vorgekommen! Aber wir nennen ja eine unserer Touren nicht umsonst, Elfen- und Trollentour! Also liebe Gäste, macht Euch auf was gefasst im nächsten Jahr!
Nicht nur die Elfen und Trolle haben einiges auf Grytubakki angestellt, auch Kasper, der einjährige Rüde von unserer Hündin Kata hat so manches auf dem Kerbholz: Regelmässig schleppte er alles, was er von unseren Gästen ergattern konnte, raus auf die Wiese. Ganz speziell hatte es ihm das 6-er-Zimmer auf Erdgeschosshöhe angetan, denn dort stand schon mal des öftern das Fenster offen - etwas Einladenderes gab es ja auch nicht! Rund um Grytubakki verstreut lagen massenweise Socken, Handtücher, Schuhe, Handcremes und vieles mehr. Doch sein Paradestück war - Ein Büstenhalter! Das hätten wir ihm nun doch nicht zugetraut. Tränen haben wir gelacht, als die Besitzerin intensiv suchend Treppen rauf und wieder runter in der ganzen Wohnung rumdüste und dann ganz beschämt fragte, ob wir irgendwo ihren BH gesehen hätten Das hatten wir!
Garmur, das einzige schwarzweiss-gescheckte Pferd in unserem Besitz, ist sicher für einige unserer Gäste ein Begriff. Sein Name auf Deutsch heisst soviel wie "armes Würstchen " da wir ihn sozusagen vor der Verarbeitung zu Wurst (sprich: Schlachthaus) gerettet haben. Wir wollten ihm eine Chance geben und ihm den Tölt, der nicht gerade sehr locker in ihm sitzt, beibringen. Zwei Winter schon hat er eine strenge Ausbildung über sich ergehen lassen müssen - Fortschritte sind aber leider nur mit der Lupe sichtbar, dabei gibt sich der arme Kerl soviel Mühe!
Die Krönung aber kam durch Kate, unsere schwedisch-englische Sommerhilfe . Ihr Ausspruch: "Wäre ich nicht Vegetarierin, dann würde ich ihn zum Abendessen verspeisen!" hat einen Eintrag im Gästebuch bekommen! Hat man da noch Worte?! Aber wir geben nicht auf!
Über unsere Hühner möchten wir Euch auch wieder berichten, denn die gehören ja ebenfalls zur Familie, auch wenn die meisten Gäste von ihnen nur ein leises Gagggag oder ein lautstarkes Kickeriki gehört haben. Letzteres verursacht Albert, unser Hahn. Der hat schon ein stattliches Alter auf dem Kamm, er wird nämlich 5-jährig. Welcher Hahn kann das schon vorweisen? Und: Er sitzt wieder bei seinen Hühnern, die er ein halbes Jahr lang ja nur von aussen hat betrachten dürfen, da ein anderer, junger Gockel an seine Stelle getreten war. Dieses Vieh aber entpuppte sich als Reinfall: Er hackte nicht nur auf den Hühnern rum, die er eigentlich beschützen sollte! Nein, er griff auch mit den Sporen nach vorne im Flug die Futtergeber an. Das war dann doch zuviel des Guten. Er bekam eine Chance, dann eine zweite - die dritte aber überlebte er nicht: Seine Hinrichtung wurde vollzogen. Am Abend, als die Türe zum Stall geöffnet wurde, um den Hühnern Futter zu geben, kam Albert in grossen Schritten anmarschiert und Schwups! quetschte er sich durch den Spalt rein zu den Hühnern. Er war wieder Hahn im Korb! (Da soll noch einer sagen: Hühner sind dumm!)
Wer eine Reittour bucht, muss auch damit rechnen, vom Pferd zu fallen. Das ist sozusagen inbegriffen, wenn auch nicht unbedingt erwünscht. Der Sommer 99 hat in Sachen "Abwurf" ebenfalls einen Rekord gebracht. Man redet da zwar nicht gerne drüber - aber es gehört nun mal dazu! Normal ist eigentlich ein Sturz pro Person. Dieses Jahr hat es jedoch tatsächlich Mehrfachstürze gegeben: Zwei junge Damen haben zweimal ins Gras gemusst, und ein Gast hat es auf drei Abwürfe vom gleichen Pferd geschafft! Es begann immer mit einem Aufschrei: "Oh, non!" und dann machte es Bums. Das Phantastische dabei war, dass der (französische )Reiter dabei immer noch lächelte! Zur Sicherheit des Gastes wurde dann jedoch ein Pferdetausch vorgenommen.
Der neue Prospekt liegt vor Euch. Wiederum haben wir Altes mit Neuem gemischt und daraus das Programm 2000 gemacht. Eine gute Mischung? Das wird sich herausstellen. Die lange Polar Special haben wir nun endgültig gestrichen; an ihren Platz ist der Sternritt getreten., etwas für Gäste, die nicht so viel Erfahrung mit Reiten haben. Dann ist auch neu im Programm der Spätsommerritt. Im Jahr 2000 wird Polar Hestar 15 Jahre alt. Deshalb wollten wir was Spezielles auf die Beine stellen, und der Spätsommerritt ist das Resultat. Es ist ein Ritt mit Überraschungen!
Die Kjölurtour unseres Partners im SkagfjörÝur ist nicht mehr in unserem Prospekt. Die Möglichkeit zur Buchung dieser Tour über uns besteht jedoch immer noch. Frühlings- und Herbsttouren sind auch nicht mehr im Angebot. Alle anderen Touren bleiben gleich.
Da es immer recht lange dauert, bis dieser Brief an unsere Gäste versandbereit ist, haben die Bäume, von denen zu Beginn die Rede war, auch die wenigen Blätter verloren. Nun muss der Wind mit den bunten Klammern auf der Wäscheleine vorlieb- nehmen. Im Takt schwingen sie hin und her, und einige schaffen es auch, einmal um die Leine herum zu kommen. Bald werden sie nicht mehr soviel Schwung haben und zu Eis- oder Schneezapfen werden. Dann ist auch die Erde unter ihnen weiss und ruht, bis die warmen Strahlen der Frühlingssonne wieder alles zum Leben erwecken.
Ein neues Jahrtausend ist im Anmarsch. Auf Grytubakki wird in den ersten Wochen des Januars ein neuer Erdenbürger Einzug halten. Neben Pferdegewieher, Hundegebell, Schafsgeblöke und Hühnergegackere nun auch noch eine Babystimme!
Wir wünschen unseren Gästen besinnliche Weihnachtstage und einen spannenden Rutsch ins 21. Jahrhundert.
Stefan und Juliane
|
|